Tränende Augen – Ursachen und Behandlung

Inhaltsverzeichnis

Ein intakter Tränenfilm ist die Basis für Ihre klare Sicht und eine wichtige Barriere gegen Krankheitserreger. Gerät dieses feine Zusammenspiel aus Tränenproduktion und -abfluss jedoch aus dem Takt, sprechen wir von einer Epiphora – dem tränenden Auge.

Tränende Augen können durch äußere Reize, das Alter oder sogar durch Trockenheit ausgelöst werden. Doch was hilft wirklich? Dieser Beitrag beleuchtet die medizinischen Hintergründe und die spezifischen Herausforderungen bei jungen und älteren Patienten. Erfahren Sie außerdem, mit welchen bewährten und neuen Therapiewegen Sie Ihre Beschwerden lindern können.

Das Wichtigste in Kürze

  • Definition: Tränende Augen (Epiphora) entstehen durch eine Überproduktion von Tränenflüssigkeit oder einen gestörten Abfluss.
  • Vielfältige Ursachen: Neben Umweltfaktoren wie Wind und Kälte oder allergischen Reaktionen spielen oft anatomische Gründe eine Rolle. Dazu zählen beispielsweise verstopfte Tränenkanäle oder Fehlstellungen der Lider.
  • Betroffene Gruppen: Besonders häufig sind Babys (oft durch verstopfte Tränennasengänge) und ältere Menschen (durch Liderschlaffung oder veränderte Tränenzusammensetzung) betroffen.
  • Therapieansätze: Die Therapie richtet sich stets nach der zugrunde liegenden Ursache. Oft helfen bereits konservative Maßnahmen wie Tränenersatzmittel oder spezielle Massagen. Je nach Befund können jedoch auch Spülungen der Tränenwege oder mikrochirurgische Eingriffe notwendig sein.

Was sind tränende Augen (Epiphora)?

Bei einer Epiphora produzieren Ihre Augen übermäßig Tränenflüssigkeit, beziehungsweise kann diese nicht richtig abfließen. Betroffene erleben dann ein ständiges oder wiederkehrendes Überlaufen der Tränen über die Lidkante hinweg. Dies passiert meist ohne emotionalen Anlass oder eine direkte Reizung.

Durch diese Symptome werden Betroffene optisch beeinträchtigt und in ihrer Lebensqualität eingeschränkt. Vor allem bei Wind, Kälte, Bildschirmarbeit oder im Straßenverkehr können tränende Augen äußerst störend wirken. Oft ist auch das Sehen getrübt, entweder durch eine Art Schleier oder durch das ständige Wischen mit einem Taschentuch.

Ein grünes Ausrufezeichen

Ein gesundes Auge produziert Tränenflüssigkeit in genau der richtigen Menge, um die Augenoberfläche zu befeuchten, zu schützen und sauber zu halten. Bei Epiphora ist dieses fein abgestimmte Gleichgewicht gestört.

Es wird entweder zu viel Tränenflüssigkeit produziert oder sie kann nicht wie vorgesehen über die Tränenkanäle abfließen. In beiden Fällen entsteht ein Überschuss, der sichtbar über die Wange abläuft.

Funktionen der Tränenflüssigkeit

Die Tränenflüssigkeit ist ein echtes Multitalent für Ihre Augen. Sie glättet die Oberfläche der Hornhaut und schafft so die Voraussetzung für optisch einwandfreies Sehen. Gleichzeitig übernimmt sie eine unverzichtbare Schutzfunktion für die Gesundheit des gesamten Auges.

Der Tränenfilm besteht aus drei Schichten:

  • eine schleimige Unterschicht
  • eine mittlere wässrige Schicht
  • eine äußere Fettschicht

Jede dieser Komponenten trägt zu einem stabilen Tränenfilm bei. Ist die Zusammensetzung gestört, kann das Auge gereizt reagieren und das paradoxerweise sogar mit verstärktem Tränenfluss.

Darüber hinaus fungiert der Tränenfilm als effektiver Schutzschild gegen Infektionen. Er enthält antibakterielle Stoffe, die Krankheitserreger direkt abwehren. Gleichzeitig werden Störenfriede wie Staub oder kleine Partikel einfach ausgespült. Damit leistet die Tränenflüssigkeit einen wesentlichen Beitrag zur Selbstreinigung und Immunabwehr der Augenoberfläche.

Vergleichsgrafik zweier Augen mit Fokus auf den Tränenfilm. Links ist ein gesundes Auge mit intakten Schichten (Fett, wässrig, Schleim), rechts ein krankes Auge mit gestörtem, aufgebrochenem Tränenfilm.

Ursachen tränender Augen

Die Ursachen für tränende Augen können ganz unterschiedlich sein. Eine häufige Ursache ist die vermehrte Produktion von Tränenflüssigkeit, als Reaktion auf Wind, Kälte, Rauch oder grelles Licht. Auch allergische Reaktionen, entzündliche Prozesse wie eine Bindehautentzündung oder Reizungen durch Kontaktlinsen können zu einer Überproduktion führen.

Allerdings kann hinter dem Problem auch eine Störung des Tränenabflusses stehen. Hierbei ist der Weg, den die Tränenflüssigkeit über die Tränenpünktchen, Tränenkanälchen und den Tränennasengang nimmt, verengt oder blockiert.

Ein grünes Ausrufezeichen

Wussten Sie, dass auch trockene Augen mit tränenden Augen verbunden sein können? Durch die instabile Zusammensetzung des Tränenfilms trocknet die Hornhaut aus und das Auge reagiert mit einer Reizung und einer Reflex-Tränenproduktion, die dann unkontrolliert überläuft.

Diese Überproduktion ist jedoch nicht hilfreich, da die Qualität der Tränen nicht ausreichend ist, um die Oberfläche zu stabilisieren.

Dies kommt insbesondere im höheren Alter häufiger vor, kann aber auch angeboren oder durch chronische Entzündungen bedingt sein. Auch Lidfehlstellungen, wie ein nach außen gekipptes Unterlid (Ektropium) oder ein nach innen gekipptes Lid (Entropium), verhindern den korrekten Abfluss der Tränenflüssigkeit.

Grafik zeigt links den normalen Tränenabfluss vom Auge zur Nase, rechts eine gestörte Variante mit zwei roten Verstopfungsstellen. Pfeile markieren den Flussweg.

Symptome und Beschwerden tränender Augen

Das Leitsymptom ist ein auffälliger, häufig störender Tränenfluss, der über die Lidkante hinaus auf die Haut läuft. Viele unserer Patienten berichten davon, dass sie regelmässig die Tränen mit einem Taschentuch abwischen müssen. Jedoch führt das bei häufiger Wiederholung zu Hautreizungen oder Ekzemen rund um das Auge.

Begleitend dazu treten oft ein verschwommenes Sehen, ein brennendes oder sandiges Gefühl, Lichtempfindlichkeit und gerötete Augen auf.

In einigen Fällen kommt es zusätzlich zu Schleimabsonderungen oder gar eitrigem Ausfluss. Das ist ein Zeichen dafür, dass möglicherweise eine Infektion oder chronische Entzündung der Tränenwege oder der Bindehaut vorliegt. Auch Sehstörungen beim Lesen oder Autofahren gehören zu den typischen Beschwerden.

Wir untersuchen Sie in St. Gallen

Sie klagen über tränende Augen? Dann handeln Sie frühzeitig. In unserer Praxis in St. Gallen untersuchen wir Ihre Augen sorgfältig und beraten Sie individuell.

Robert Nagy: Porträtaufnahme eines jungen Mannes in ärztlicher Kleidung vor weißem Hintergrund. Er trägt einen weißen Kittel mit einem Namensaufdruck auf der linken Brustseite: „DR. ROBERT NAGY“. Darunter ist ein schwarzes Oberteil sichtbar. Die Person hat kurzes, braunes Haar und blickt mit neutralem Gesichtsausdruck direkt in die Kamera.

Wann sollten Sie einen Arzt konsultieren?

Ein kurzzeitiges Augentränen ist bei Wind oder Kälte meist harmlos.

Allerdings gibt es Situationen, in denen Sie auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen sollten:

  • Die Beschwerden bestehen dauerhaft.
  • Die Beschwerden treten einseitig auf.
  • Sie haben folgende Begleitsymptome: Schmerzen, Sehverschlechterung, Lichtblitzen oder eitriges Sekret.

Auch bei Babys oder Kleinkindern mit ständig tränenden oder verklebten Augen sollten Sie frühzeitig einen Facharzt konsultieren. Wird die Ursache früh erkannt, kann eine passende Therapie früh eingeleitet und Komplikationen verhindert werden.

Tränende Augen bei Kindern und Babys

Bei Neugeborenen und Säuglingen ist ein unvollständig geöffneter oder blockierter Tränennasengang eine der häufigsten Ursachen für tränende Augen. Dies äussert sich vorwiegend in einem oder beiden Augen, die ständig tränen oder morgens verklebt sind.

Oftmals liegt keine Infektion vor, sondern eine anatomische Engstelle, die sich mit zunehmendem Alter von selbst zurückbildet. Meistens geschieht das schon bis zum Ende des ersten Lebensjahres.

In der Zwischenzeit kann durch eine spezielle Massagetechnik im Bereich des Tränensacks der Abfluss gefördert werden. Bleibt der gewünschte Erfolg aus, führen wir oft eine sanfte, ambulante Sondierung durch. Es handelt sich dabei um eine kleine, aber hochwirksame Massnahme, die den Tränenfluss wieder normalisiert und Ihr Kind dauerhaft von den Beschwerden befreit.

Tränende Augen im Alter

Mit dem natürlichen Alterungsprozess verändern sich die Haut und Muskulatur im Gesicht, doch auch die Anatomie und Funktion der Lider und Tränenwege. Besonders häufig tritt im Alter ein sogenanntes Ektropium auf. Hierbei kippt das Unterlid nach aussen, sodass die Tränenflüssigkeit nicht mehr korrekt über die Tränenpünktchen in den Abfluss gelangt. Die Tränen fließen stattdessen unkontrolliert über die Wange. Auch die Pumpleistung des Lids, welche wichtig für den Abtransport der Tränen ist, nimmt ab.

Hinzu kommt, dass im höheren Alter chronische Lidrandentzündungen zunehmen, die zu einer reflektorischen Überproduktion von Tränen führen. Parallel dazu verschiebt sich die Zusammensetzung des Tränenfilms: Weniger Wasser, mehr Lipide und Muzine. Dieser Qualitätsverlust macht den Film instabil.

Obwohl dieses Beschwerdebild bei Senioren weit verbreitet ist, können wir es mit der passenden Behandlung meist gut in den Griff bekommen.

Behandlungsmöglichkeiten tränender Augen

Die Therapie richtet sich nach der genauen Ursache der Beschwerden. Bei Reizungen durch äußere Einflüsse helfen oft bereits einfache Massnahmen wie der Einsatz von Schutzbrillen, das Meiden von Zugluft oder die Anwendung von befeuchtenden Augentropfen.

Liegt eine Entzündung oder Infektion vor, kommen entzündungshemmende oder antibiotische Augentropfen zum Einsatz. Bei chronisch verstopften Tränenwegen kann eine Sondierung oder Spülung notwendig sein. In einigen Fällen ist auch ein kleiner chirurgischer Eingriff der richtige Weg. Dieser wird dann gewählt, wenn eine dauerhafte Engstelle im Tränennasengang vorliegt. Auch Lidfehlstellungen lassen sich operativ korrigieren.

Gerade bei älteren Patienten ist oft eine Kombination mehrerer Massnahmen erforderlich, um die Beschwerden effektiv zu lindern. Mit einem persönlichen Therapieplan lassen sich auch komplexe Beschwerden wirkungsvoll behandeln.

So stellt Ihr Augenarzt die Diagnose

Die augenärztliche Diagnostik bei tränenden Augen umfasst eine Reihe bewährter Untersuchungsmethoden. Zunächst erfolgt ein ausführliches Gespräch zur Krankengeschichte (Anamnese), bei dem typische Symptome, Auslöser und Vorerkrankungen erfasst werden.

Im Anschluss wird das Auge gründlich untersucht. Dazu gehören die Beurteilung der Lidstellung, des Tränenfilms und der Augenoberfläche.

Besonders wichtig ist die Prüfung des Tränenabflusses. Durch eine gezielte Spülung der Tränenwege kann festgestellt werden, ob eine Verengung oder ein kompletter Verschluss vorliegt. Auch bildgebende Verfahren wie die Dakryozystographie oder eine Endoskopie der Tränenwege können bei Bedarf zum Einsatz kommen.

Mithilfe des Schirmer-Tests (Mengenmessung) und der Fluoreszein-Probe (Stabilitätsprüfung) erstellen wir einen umfassenden Status Ihres Tränenfilms. Diese Kombination liefert uns die entscheidenden Daten. Denn nur wenn wir den Auslöser genau kennen, können wir Ihre Beschwerden zielgerichtet behandeln.

Mögliche Komplikationen tränender Augen

Unbehandelte tränende Augen sind lästig und können auf Dauer zu ernsthaften Folgeproblemen führen. Eine der häufigsten Komplikationen ist die chronische Reizung der Haut um das Auge durch das ständige Wischen der Tränen. Es entstehen Rötungen, Ekzeme oder gar Infektionen der Lidhaut.

Auch das Auge selbst kann durch ständige Feuchtigkeit anfälliger für Infektionen oder Entzündungen werden.

Das Sehen ist bei anhaltendem Tränenfluss oft eingeschränkt, besonders beim Autofahren, Lesen oder Arbeiten am Bildschirm. Zudem besteht das Risiko, dass sich eine chronische Bindehautentzündung oder gar eine Entzündung des Tränensacks entwickelt.

In seltenen Fällen kann eine unbehandelte Abflussstörung zu einer sogenannten Dakryozystitis führen. Das ist eine schmerzhafte, eitrige Entzündung des Tränensacks, die operativ behandelt werden muss.

Tränende Augen in St. Gallen behandeln lassen

Wenn Sie unter tränenden Augen leiden, lohnt sich der Weg zum Augenarzt, vor allem dann, wenn die Beschwerden länger bestehen oder sich verschlimmern. In unserer Augenarztpraxis in St. Gallen bieten wir Ihnen eine umfassende Diagnostik und moderne Therapiemöglichkeiten, individuell abgestimmt auf Ihre persönlichen Beschwerden und Bedürfnisse. Mit viel Erfahrung und einem Blick für das Ganze finden wir gemeinsam die Ursache Ihrer Symptome und leiten eine gezielte Behandlung ein.

Vereinbaren Sie gerne einen Termin in unserer Praxis. Wir nehmen uns Zeit für Ihre Augen und Ihre Lebensqualität.

Dr. med. (H) Richard Nagy

Dr. med. (H) Richard Nagy ist ein erfahrener Facharzt für Augenheilkunde mit fundierter Ausbildung und internationaler Spezialisierung. Seine medizinische Laufbahn führte ihn an renommierte Kliniken in der Schweiz, Grossbritannien und den USA.

Er vereint höchste fachliche Kompetenz mit einem ausgeprägten Einfühlungsvermögen – Eigenschaften, die seine Patienten besonders an ihm schätzen.

Hier können Sie mehr über Dr. Richard Nagy erfahren.
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